Bessima

Sportbegeisterung wurde Bessima nicht unbedingt in die Wiege gelegt. Aber die Lust, sich zu bewegen und auszuprobieren, war eigentlich immer da. Beruflich und privat viel in der Weltgeschichte unterwegs, wurde vor allem das Joggen für sie zu einem festen sportlichen Bestandteil: „Dafür braucht man einfach nur ein Paar Schuhe im Gepäck“. Bis Bessima vor sieben Jahren in ihre neue Wohnung zog. Dort stolperte sie quasi aus der Haustür direkt in ein Yogastudio. Und aus erster Neugierde wurde schnell große Begeisterung, weswegen sie vor zwei Jahren neben ihrem Vollzeitjob eine Lehrerausbildung begann.

Heute freut sich Bessima über jede Yogastunde, die sie gibt. „Anfangs ging es mir vor allem um 90 Minuten mit mir und meinem Atem. Mittlerweile liebe ich die körperlich fordernden Übungen. Dabei finde ich es großartig, dass Yoga wirklich für alle ist. Und damit meine ich auch für alle Körperformen. Für den Einklang von Körper und Geist braucht es keine Modelmaße!“. „Während ich zu Beginn meiner Yoga-Geschichte einfach irgendwelche alten Sportklamotten angezogen habe, befindet sich mittlerweile – uuuuups – fast die ganze beeathletica-Seite in meinem Kleiderschrank. Es macht einfach Spaß und hebt die Stimmung, wenn man seine Asanas in rundum bequemen und echt schönen Teilen macht“. Ihre Lieblingsstücke hat sie immer im Gepäck, wenn sie ihrer zweiten Leidenschaft folgt, dem Reisen. „Es gibt nichts Schöneres, als neue Leute, neue Kulturen, interessante Orte und tolles Essen zu entdecken“. In der wirklichen Welt arbeitet Bessima als persönliche Assistentin in einer Hamburger Werbeagentur und beweist täglich, dass man Yoga auch in einen vollgepackten Tag integrieren kann.

In diesem Sinne: rauf auf die Matte mit Euch! Einen kleinen Einblick in Bessimas Welt erhaltet Ihr hier: https://www.instagram.com/bessima_agha/

Bessima

11. Juli 2018

Yogisch - oder so...

Es gibt eine Menge vorgefertigter Meinungen, die die Welt über Yoga hat. Und während ich gut damit klar komme, von „Nicht-Yogis“ damit konfrontiert zu werden, sind es oft die anderen Yoga-Lehrenden und Praktizierenden, die mich irritieren.

Entgegen der reinen Yoga-Lehre, gehöre ich nicht zu den Yogis, die keinen Käse essen, nie Alkohol trinken und ja, auch Fleisch steht noch auf meiner Nahrungsliste. Und dann bekomme ich oft die Frage „ist das denn yogisch?“ Was bitte soll das sein? Yogisch? Muss ich den ganzen Tag OM chanten und in meinen Yogahosen durch die Gegend laufen (wobei... das mit den Hosen überleg ich nochmal :) ), um yogisch zu sein?

 

Natürlich kenne ich als Yogi Patañjali und seinen 8-gliedrigen Pfad und weiß auch, dass zu den Yamas Gewaltlosigkeit (Ahimsa) gehört – was viele mit der veganen Lebensweise beantworten. Finde ich super. Echt. Nur eben nicht für mich. Denn Punkt 2 der Yamas ist Satya und bedeutet wahrhaftig zu sein. Also die Wahrheit zu sprechen, ehrlich zu sein - und zwar auch zu sich selbst. Und ehrlich gesagt liebe ich veganes Essen und esse gar nicht besonders viel Fleisch – aber ich esse es. Genau wie Käse, den ich eben auch liebe.

Beim Thema Fleisch kann ich den vorwurfsvollen Blick der Yogis natürlich sehr gut verstehen (auch ich habe Netflix und gucke Dokus) - nur hört es da ja nicht auf.

Ich finde mich gar nicht mal so schlecht: Ich benutze hübsche Glasflaschen, habe immer einen Beutel bei mir, meide Plastik, lasse mir den täglichen Coffee-to-go in meinen eigenen Becher abfüllen, trenne Müll, hasse Verschwendung und habe sogar einen Ersatz für Tampons (sorry guys). Ernährungstechnisch bereite ich mir oft sehr gesundes und veganes Essen zu, betreibe „meal-prep“ und versuche Zucker nicht im Überfluss zu konsumieren.

Das ist die Regel und die ideale Welt. In der leben wir ja aber alle nicht. Auch ich kaufe mal spontan ein und habe dann keinen Beutel dabei. Naja, und Heidelbeeren könnte ich ja eh nicht in diesen Beutel werfen, bin also sehr froh, dass sie noch extra verpackt sind. Und wer mich kennt, weiß auch, dass ich Eis liebe... und zwar das mit Zucker und viel davon.

Wenn ich also ein leckeres Eis am Stiel mit viel Zucker esse, frage ich mich nicht, ob das yogisch ist, sondern höchstens, ob eins reicht.

 

Es war mir schon immer (fast) egal, was andere Leute über mich denken – aber hier geht es um etwas anderes. Hier geht es um die angeblich ach so heile Yoga-Welt. Die Yogis sind nämlich nicht immer nur peacig untereinander und das bzw. deren mahnender Finger stört mich.

Das Schöne am Yoga ist doch eigentlich: Yoga urteilt nicht. Mein Freund Patañjali sagt nämlich, dass wir, um Yoga zu üben, nur zwei Dinge benötigen: Stabilität (sthira) und Leichtigkeit (sukham). Bei Asanas geht es darum, eine stabile Körperhaltung zu finden, die bei all der Stabilität aber auch voller Leichtigkeit ist. Und so ist es im Leben eben auch. Es geht immer um die Balance. Und das führt zu mehr Toleranz – auch anderen Yogis gegenüber. Stimmt also: Yoga urteilt nicht.

Yogis aber schon – und das ärgert mich!

 

Ich meine: kann Euch doch egal sein, wie viel Zucker, Käse oder Fleisch ich konsumiere. Denn nur weil ich mein Porridge liebe, muss ich ja auch nicht mit nervigem Sendungsbewusstsein die ganze Welt davon überzeugen. Und worin Ihr was auch immer transportiert, kann mir eigentlich auch egal sein.

Klar bin ich mir meiner Rolle als Yogalehrerin bewusst, in gewissen Dingen ein Vorbild zu sein und finde es auch schön, wenn ich mit meinen Gedanken, die ich in meinen Stunden, durch meine Lebensweise oder auf Instagram teile, inspiriere... aber trotzdem kann doch bitte jeder (Yogi oder nicht) machen und essen, was er möchte.

Ich – und ich denke, das gilt für die meisten – passe eben nicht in DIE Yogahülle, von der viele offenbar meinen, sie dem Yoga überstülpen zu müssen. Und das ist auch ok so. Yoga muss nämlich in mein Leben passen und nicht ich in die Welt des Yoga.

Om Shanti!

Darauf erstmal ein Eis – wenn ihr möchtet.

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