Luisa

Luisa

Mein Name ist Luisa, leidenschaftliche Yoga- und Pilateslehrerin, PR-Beraterin und Texterin, große Träumerin, noch größere Anpackerin. Aktuell habe ich den anstrengendsten aber wunderbarsten Job der Welt: Ich bin Mama von zwei Kindern unter zwei.

Pilates spielt sich für mich auf der Matte oder an Geräten ab, schenkt Kraft und einen Katzenkörper und schüttet Endorphine aus. Yoga passiert auch im Leben. Jeden Tag begegnen uns Trigger und Spiegel, die uns helfen, unser wahres Selbst zu entdecken, unsere Seele zum Leuchten zu bringen. Aber auch auf der Matte gibt es so viele inspirierende Yogastile (aktuell erkunde ich Anusara Yoga...) zu entdecken. Dabei lautet meine Devise: Bleib offen, neugierig, beurteile, ohne zu verurteilen, lass Liebe walten und koste das Leben aus - in jedem Moment!

Alles Liebe, Eure Luisa 

Luisa

22. Mai 2014

Auf die Matte, Männer!

Als ich letzte Woche einen gut besuchten Yoga-Kurs vertreten habe, kam kurz vor Kursbeginn ein neuer Teilnehmer verstört auf mich zu. Verunsichert schweifte sein Blick durch den Raum voller Frauen – und schließlich in mein (hoffentlich wohlwollend wirkendes) Gesicht: „Ähm, ist das ein Mädchenkurs, oder nehmt ihr auch Männer auf?“ Seine Aussage brachte mich zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken: Hat sich der Yoga des Westens in der Wahrnehmung der Männer zum abschreckenden „Frauensport“ entwickelt?

Ich muss gestehen, dass ich die diesbezüglich voreingenommene Männerwelt durchaus verstehen kann. So ist es der Yoga-Industrie beispielsweise gelungen, einen „pinken“ Yoga-Markt zu etablieren, der für weiblichen Yoga-Lifestyle steht. Darüber hinaus werden mit Yoga gut und gerne Klischees von schlimmen Verrenkungen, Räucherstäbchen-Manien, Rund-um-die-Uhr-Gesängen oder weltfremden spirituellen Orgien assoziiert. Dass Mann davor zurück schreckt, kann man ihm wahrlich nicht übel nehmen.

Umso kurioser wirkt in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass ursprünglich nur Männer das Privileg hatten, Yoga zu erfahren. Bis heute handelt es sich bei den indischen Lehrenden fast ausschließlich um Männer. Die erste Frau, die dort Yoga lernen durfte (übrigens von B.K.S. Iyengar), ist Indra Devi. Sie war es, die Yoga in den 1940er Jahren nach Hollywood exportierte – und ihn damit auch Frauen zugänglich machte. Dass Yoga innerhalb der Damenwelt so schnell populär wurde, lässt sich mit Sicherheit auf seine Natur zurückführen: So macht Yoga nicht nur schlank und schön, sondern fordert auch ein gewisses Maß an Offenheit gegenüber Spirituellem sowie hinreichend Flexibilität – zwei Eigenschaften, die sich generell vielleicht eher an Frauen wiederfinden. Iyengar selbst geht sogar noch einen Schritt weiter: „Frauen werden immer als schwach und weich betrachtet. Unglücklicherweise wissen Männer nicht, dass Frauen stärker sind als sie. Männer zeigen ihre Stärke nach außen. Frauen sind meist stiller, aber in ihrem Inneren sind sie stärker als Männer. Das ist meine Erfahrung.“

Bedeutet diese Aussage, dass Männer Yoga eigentlich nicht gewachsen sind und daher zu Recht davor zurück schrecken? Ganz im Gegenteil, wie ich finde. Erst kürzlich hat mir der Yogaanatomie-Guru Richard Hackenberg in einem Seminar wieder bewusst gemacht, wohin der Yoga des Westens geht: mehr und mehr hin zum Körperlichen – und damit in eine Richtung, die besonders auch Männer anspricht. Hierbei steht hauptsächlich die Kräftigung und Stärkung der Gesamtkörpermuskulatur im Vordergrund, was sich in körperlich anspruchsvollen Yogastunden niederschlägt (Liebe Männer, hier darf so richtig geschwitzt werden!). Und ja, Yoga dehnt – vor allem Schlüsselmuskeln wie den Psoas, aber auch die gesamte Körperrückseite. Wahre Wunder bewirkt die Yoga-Praxis auch bei Schmerzen, vor allem bei Rückenleiden, einem echten Männerproblem. Auch ihre große Heilwirkung fasziniert mich immer wieder von neuem. Egal ob Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder Schilddrüsenprobleme, Yoga richtet sich auf jedes Krankheitsbild. Richard Hackenberg konnte beispielsweise durch tägliches Pranayama, gezielte Atemübungen, Asthma loswerden. Darüber hinaus beruhigt er den Geist, lindert Schlafprobleme, Stress und dessen Folgeerscheinungen und fördert die Konzentrationsfähigkeit – um nur einzelne positive Effekte zu nennen.

Yoga und Männer

Kehren wir zur ursprünglichen Idee von Yoga zurück, so erkennen wir, dass Yoga nicht nur den weiblichen Aspekt, sondern gerade auch den männlichen vorsieht. Hatha steht für die Harmonie der Gegensätze, für die Verbindung der Sonne (Ha), dem männlichen Prinzip, mit dem Mond (tha), dem weiblichen Prinzip. In die Yoga-Praxis übertragen kann das auch bedeuten, eher weibliche Eigenschaften, z. B. Flexibilität, mit eher männlichen, z. B. Kraft, zu verbinden, um den Körper – egal ob männlich oder weiblich – zu harmonisieren. Und dass sich in Yoga-Klassen sowohl Männer als auch Frauen wiederfinden sollten. Denn: „Natürlich nehmen wir auch Männer auf – offen, freundlich und dankbar.“

(Foto-Credit: Young-Ho Kim von Inside Yoga)

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