Vera

Vera

Gesundheitsexpertin aus Wien

Vera motiviert Privatpersonen sowie Unternehmen Bewegung, bewusste Ernährung und Entspannung in den Alltag zu integrieren. Ihre Schwerpunkte sind Vorträge & Workshops, Konzeptentwicklungen, Fachartikel, Personal Trainings sowie maßgeschneiderte individuelle Trainingspanung. Sie hat einen Master in Health & Fitness, ist ausgebildete Personal & Functional Trainerin und Hatha, Kundalini & Yin Yogalehrerin. Passend zu ihrer Liebe zu Katzen und Hunden sowie zum Yoga hat sie das Label Love, Pets & Harmony (http://www.beeathletica.com/brands/love-pets-harmony.htmlgegründet. Neben Yoga liebt sie v.a. Laufen, Krafttraining und Muay Thai. 

Mehr von und über Vera unter gesundheitsconsulting.at , auf ihrem Blog http://diegesundheitsexperten.com oder auf ihrer Instagram Seite https://www.instagram.com/veramariamair/ 

Vera

29. März 2018

Was bringt Intermittierendes Fasten?

In den letzten Monaten ist es in aller Munde: Intermittierendes Fasten oder auch Intervallfasten genannt. Hierbei handelt es sich um kein Dauerfasten oder Heilfasten, sondern um ein kurzzeitiges Fasten über ein bestimmtes Zeitfenster. Schlussendlich geht es dabei v.a. um eines: Dem Körper gezielt auch wieder Essenspausen zu geben, die länger sind als nur drei, vier Stunden.

Was für mich als kleines Selbstexperiment begann, zeigt sich Monate später noch immer als erstaunlich alltagstauglich. Mein eigentliches Ziel war es, intermittierendes Fasten (IF) einfach einmal für einen Monat an fünf Tagen die Woche, nämlich Montag bis Freitag, auszuprobieren und zwar im 16/8 Modell. Das bedeutet täglich ein Fastenintervall von 16h zu haben. Ich testete es damals einerseits, weil ich neugierig war und wissen wollte, wie es sich anfühlt und ob ich es in meinem Alltag überhaupt schaffen würde, andererseits aber auch, weil Klienten mich immer wieder danach gefragt haben und ich nicht nur eine theoretische, sondern auch praxiserfahrene Antwort geben können wollte.

Wie funktioniert intermittierendes Fasten?

Generell gibt es v.a. zwei gängige Modelle des Intervallfastens:

-Das 24 Stunden intermittierende Fasten am Stück, ohne Nahrung, dafür mit Tee, Kaffee, Wasser und eventuell auch leerer Brühe (da Salz gerade bei dieser längeren Variante sehr wichtig ist), teils wird dieses auch ausgeweitet, sodass ein Abend plus ein weiterer Tag gefastet werden sprich damit 30h lang

-Das 16 Stunden intermittierende Fasten mit 8 Stunden Zeit für Nahrungsaufnahme pro Tag (wie ich es betreibe)

Aber natürlich gibt es auch noch andere Spielarten. Manche verkürzen auch die 16 auf 14 oder 12 Stunden, weil ihnen 16 gefühlt zu lang wären.

In allen Zeiträumen des Kurzzeitfastens wird also nichts gegessen, Tee und Kaffee sind wie Wasser möglich, allerdings ungesüßt. Brühe kann v.a. bei der längeren Fasten Variante (also der 24-30h IF Form) auf Grund des enthaltenen Salzes für manche hilfreich sein.

Es gibt aber auch noch andere Formen und Möglichkeiten, falls die beiden genannten jemandem zu strikt sind oder wegen Krankheit oder anderen Gründen nicht umgesetzt werden können: Auch drei Mahlzeiten am Tag ohne Snacks oder kalorienhaltige Getränke zwischendurch sind bereits eine Form des intermittierenden Fastens, sofern diese Esspausen mindestens vier Stunden dauern.

Weshalb fasten?

Warum eigentlich das Ganze, fragst du dich jetzt vielleicht beim Lesen. Und kann das gesund und v.a. gut für die Muskelmasse sein, baut man da nicht ab? Genau das habe ich mich auch immer gefragt. Ich hatte aber auch immer wieder von Sportlern und auch Bodybuildern gelesen, die genau mit dieser Methode arbeiten und hey, wenn jemand, der wirklich Muskeln aufbauen und auf keinen Fall verlieren will, diese Methode verwendet, dann kann es schon mal nicht so falsch sein. Denn wie gesagt, es geht hier nicht um ein tagelanges Fasten, bei dem man schlussendlich wirklich v.a. Muskelmasse verliert. Es geht um Intervalle, also kleinere Zeitfenster. Was man hier dann v.a. verliert ist das Körperfett. Und dagegen haben wir doch nichts, oder? ;)

Außerdem werden auch viele weitere Vorteile damit in Verbindung gebracht, die unserer Gesundheit zuträglich sind:

-Es steigert die Sensitivität für Insulin, was präventiv gegen Diabetes Typ II wirken kann

-Es hemmt das Krebswachstum, weil geschädigte Zellen besser aussortiert werden können, wenn der Körper Zeit für diese sogenannte Autophagie hat. Diesem selbstreinigenden Prozess wird auch ein Anti-Aging-Effekt nachgesagt.

-Es fördert die Stimmung und macht wacher, klarer und steigert die Hirnfunktion.

-Es hilft dabei den Zuckerstoffwechsel zu stabilisieren, sprich Heißhungerattacken werden weniger.

-Blutfettwerte, Cholesterin & Co können dadurch verbessert werden.

-Es senkt den Blutdruck, weil der Blutdruck auch mit dem Insulin zu tun hat. Steigt das Insulin an, steigt auch der Blutdruck an und umgekehrt.

-Fettdepots können besser weggeschmolzen werden, weil der Körper damit mehr Fettsäuren zur Energiegewinnung einsetzen muss.

Wie oft pro Woche macht Intervallfasten Sinn?

Wie geschrieben gibt es viele Möglichkeiten, kurzzeitige Fastenintervalle in den eigenen Alltag zu integrieren. Für mich hat es sich bewährt von Montag bis Freitag intermittierend zu fasten, in der Praxis bedeutet das, dass ich an diesen Tagen erst nach 12 Uhr das erste Mal esse. Urlaub und Wochenende sind davon ausgenommen, da wird geschlemmt, wann ich Lust habe. Wobei es sich am Wochenende manchmal wie von selbst ergibt, dass ich erst später zum Essen komme, zB wenn ich vormittags beim Trainieren bin.

Für den Anfang kann man auch einfach einmal probieren das Frühstück oder Abendessen wegzulassen und zwar gar nicht an fünf Tagen die Woche, sondern einmal mal an zwei, drei. Ich persönlich frühstücke eigentlich sehr gern, dennoch fällt es mir leichter das Frühstück ausfallen zu lassen als das Abendessen. So habe ich außerdem noch den Vorteil, dass ich damit vormittags klarer und wacher beim Arbeiten bin und außerdem auch beschäftigt, was gerade am Anfang auch sehr hilft. Und auch wenn ich am Morgen oder Vormittag trainiere und Kraft- und/oder Ausdauertraining mache, geht es mir damit wider Erwarten sehr gut und ich habe weder starken Hunger noch Probleme mit dem Kreislauf.

Wann sollte man nicht fasten

Kurzzeitiges Fasten ist allerdings nicht uneingeschränkt empfehlenswert und es ist mir auch wichtig darauf hinzuweisen, dass nach aktuellem Stand auch Kontraindikationen bei folgenden Gruppen gesehen werden:

Nicht empfohlen wird es

-Kindern und Jugendlichen

-Schwangeren und Stillenden

-Menschen mit Essstörungen

-bei chronischen, zehrenden Erkrankungen

-bei zu geringem Körpergewicht

-bei Störungen des Hormonhaushaltes

-bei Leber, Gallen und Nieren Erkrankungen

-bei Gicht

-bei Magengeschwüren und Magenschleimhautentzündung

-bei schweren Schlafstörungen

-bei Depressionen

-bei Alkohol- und Drogensucht

Wer sich in dieser Liste findet, es aber aus welchen Gründen auch immer dennoch ausprobieren möchte, dem ist unbedingt eine Absprache mit dem Hausarzt oder behandelnden Facharzt anzuraten. Ebenso wie allen anderen, die sich nicht sicher sind, ob dieses kurzzeitige Fasten für sie aus gesundheitlicher Sicht in Frage kommt. Es kann außerdem auch sinnvoll sein, eine Blutuntersuchung im Labor vorausgehen zu lassen, um so verschiedenste Parameter für einen späteren Vergleich zur Verfügung zu haben.

An dieser Stelle sei außerdem erwähnt, dass intermittierendes Fasten speziell bei uns Frauen teils auch in den Hormonhaushalt eingreifen kann, was wiederum zu Zyklusänderungen führen KANN, aber nicht muss. Wer hormonell verhütet sprich eine Pille, Minipille, Implanon oder eine Hormonspirale verwendet, wird hier wahrscheinlich nicht viel davon merken, bei natürlichen Zyklen könnte es jedoch zu Verschiebungen kommen, weshalb es wichtig ist, individuell zu beobachten, wie sich intermittierendes Fasten bei einem selbst auswirkt und v.a. welche Form für einen am besten funktioniert, im Sinne von Kompatibilität mit den eigenen Hormonen. Wer sich unsicher ist, befragt hierzu am besten seinen Frauenarzt, v.a. wenn ein akuter Kinderwunsch besteht.

Für mich hat es sich wider Erwarten zu einer sehr alltagstauglichen Praxis entwickelt, die sich derzeit sehr gut und praktisch anfühlt. Ich spare mir so morgens nämlich auch Zeit, weil ich nicht mehr als grünen Tee und Wasser brauche und mir keine Gedanken um ein Frühstück machen muss.

Alles in allem fühle ich mich mit IF sehr wohl und obwohl ich es anfangs nicht für möglich gehalten hätte, dass ich freiwillig langfristig fünf Tage pro Woche 16/8 schaffen würde. Heute kann ich sagen, in Wirklichkeit ist es gar nicht so schwer.

Vielleicht wäre IF ja auch etwas für dich?

Alles Liebe,
Vera

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