BeeAthletica

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03. Juli 2013

Race the Lake

Dies ist nicht nur der Titel dieses Blogbeitrages, sondern first and foremost das Motto des Triathlon- und Rennradhotels 'Mohrenwirt' am Fuschlsee. Dort habe ich ein paar nasskalte kilometerreiche Vorbereitungstage vor meinem ersten 'Rennen' der Saison -dem Mondsee-Radmarathon-verbracht, um mir die Strecke anzuschauen und das in der Tria-Szene beliebte Hotel endlich mal kennenzulernen. Eigentlich sollte und wollte der Ex-Profi Marcel Wüst unserer Truppe die Strecken entlang der fünf vielleicht feinsten Seen Österreichs zeigen, aber auch Rennradler seiner Klasse stecken einen fiebrigen Infekt nicht einfach so weg. Da war er zwar, wie im unteren Bild links zu sehen ist, aber dann auch irgendwie nicht, was der Veranstaltung zwar den erwarteten Profi-Flair-Charakter genommen hat, aber der Mohrenwirt selbst -Jakob Schmidlechner- ist so ein charismatischer, fürsorglicher und sportlicher Gastgeber, dass er dies mehr als ausgleichen konnte. Nein... dies ist kein Werbepost für besagtes Hotel und ich habe dort auch nicht verbilligt übernachtet, sondern mich in seinem Haus als Sportlerin einfach so wohlgefühlt, dass ich es allen Radfreaks nur wärmstens ans Herz legen kann. Wo sonst darf man sein bestes Stück schon mit auf's Zimmer nehmen... ;) ???

Aber nun zum Sport. Eigentlich ist es ganz und gar nicht empfehlenswert, sich in den letzen Tagen vor einem Event nochmal die Beine müde zu fahren, aber dieses Jahr ist aufgrund des radunfreundlichen Wetters alles anders. Man muss jeden Kilometer nehmen, den man halbwegs trocken kriegen kann und ausserdem sollte es für mich ja auch kein echtes Rennen werden, sondern eine RTF mit Zeitnahme. Laut Plan die 140km/1200hm in 5:15h im Grundlagen-Bereich... iss klar ;).

Wer mich kennt weiss, dass sich bei jeder Form von Wettkampf in meinem Kopf ein Schalter umlegt. Da wird aus der vorsichtigen und stilbewussten Bee, die Panikattacken bekommt, wenn ihre Schuhe schmutzig sind, ein wahres Kampfschwein, wie es ein Trainer mal benannt hat. Regen, Dreck, Schmerz und Kälte sind mir egal, ja vielleicht liebe ich solche Bedingungen sogar besonders. Weil es eine extra Herausforderung ist und man eigentlich schon gewonnen hat, wenn man es überhaupt bis zum Start schafft. Das nimmt sogesehen auch einen gewissen Druck :).

Race-Day war genau solch ein Tag. Frühstück um 5.00 bei strömendem Regen und es konnte nur noch besser werden bis zum Start um 7.30. Irgendwie war ich doch nervös und auf der Fahrt nach Mondsee kreisten meine Gedanken von "boah... bloß nicht auf der Abfahrt wegrutschen" über "was ist, wenn ich mir nun eine Erkältung einfange" bis hin zu "yes, du machst das... gerade weil soviel dagegen spricht". Und so habe ich mich keck ziemlich weit vorne im Startblock aufgestellt, um zumindest auf den ersten relativ flachen 60km eine schnelle Gruppe zu erwischen. Als dann ein Pfarrer unserer Startgruppe seinen Segen aussprach, wurde es mir tatsächlich ganz warm ums Herz und ich fühlte mich beschützt :). Das hatte ich noch nie erlebt und auch wenn ich kein regelmässiger Kirchgänger bin, tat es in diesem Moment unglaublich gut. Danke an dieser Stelle an die Veranstalter für diesen wunderbaren Gedanken.

Der Startschuss fiel, die erste Gruppe setzte sich sofort ab und ich schaffte es mit Mühe und Not an der zweiten dranzubleiben. Loszubrettern ist nicht meine Stärke. Ich brauche eigentlich immer um die 20km, um mich warmzufahren, aber dies war ja keine Kaffeefahrt, wo man sich die Dinge aussuchen konnte. Ausserdem hatte ich wohlweislich ein 'Pre-Race-Carbo-Irgendwas-Gel' eingeworfen, um meinen Startschwierigkeiten auf die Sprünge zu helfen. Eine offensichtlich gute Entscheidung, denn es lief wie geschmiert - trotz schmieriger Strassen. Die ersten 60 km blieb ich im Feld, wir donnerten mit durchschnittlich ca. 42km/h durch schönste Landschaft, von der man nur leider nichts sieht, da man sich visuell am Hinterrad des Vordermanns festklammern muss, um den Windschatten optimal auszunutzen. Total dreckig und nass, aber mit Sonne in den Beinen ging es in den ersten richtigen Anstieg, wo mir ein paar Kilo weniger auf den Rippen sicherlich geholfen hätten den Anschluss zu behalten, aber da ich oben angekommen auch noch den Kardinalfehler begangen habe, meine Flasche auffüllen zu lassen, war meine Gruppe erstmal weg:(. Wieder ran zu kommen, kostet auch in der Ebene Körner, aber irgendwann bin ich doch auf eine kleine Truppe von ungefähr 5 Kerlen gestoßen und in bester Gruppenarbeit (viele Wechsel an der Spitze, keinen zurücklassen und immer aufeinander achten) haben wir es gemeinsam über den nächsten Berg und schliesslich bis ins Ziel in Mondsee geschafft. 4:16h auf der Uhr, so dreckig wie noch nie und Freudentränen im Gesicht. Grundlagentraining sieht anders aus...

Am Limit aber erkennst du erst, was in dir steckt.

Keep training,

Deine Bee
P.S. Das Mädel im Startblock neben mir hat das Rennen gewonnen. Herzlichen Glückwunsch!

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