BeeAthletica

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01. Oktober 2020

Fair Fitness Fashion - Bee im Interview mit Totally Tabea

Ich hatte die Freude mit Tabea Ernst von 'Totally Tabea' über nachhaltige Fitness- und Yogabekleidung plaudern zu können und bin sehr glücklich, das Interview auch auf unserem Blog veröffentlichen zu dürfen.


Die Nachfrage nach nachhaltiger Fitnessmode wächst. Das Angebot ebenso. Der Markt scheint fairer denn je. Aber ist das auch wirklich so? Was ist wirklich fair? Und wie erkenne ich “sustainable fashion”?

Ich habe ein Interview mit Bettina Beringer, der Gründerin von beeathletica.com, einem Independent-Online-Shop für Yogawear, geführt und spannende Insights erhalten:

Photo-Credit: Anna-Lena Ehlers

 

Momentan werben immer mehr Sportmarken damit, nachhaltig zu produzieren. Wie kann ich als Käufer – ohne lange über das Unternehmen zu recherchieren – erkennen, ob die Ware auch wirklich sustainable ist?

Grundsätzlich gilt es erst einmal zu definieren, was man überhaupt unter “nachhaltig” versteht. Ist es recyceltes Material oder ein Herstellungsprozess, der so umweltschonend wie möglich produziert? Oder meine ich damit wohlmöglich sogar die Vermeidung von unnötig langen Lieferwegen?

Ich meine, was nutzt es der Umwelt, wenn ein T-Shirt zwar aus Bio-Baumwolle ist, die aber 1x um die Welt geflogen wird, um billig verarbeitet zu werden und dann wieder zurück nach Europa kommt?!

Nachhaltigkeit lässt sich – um einmal zu deiner Frage zurückzukommen – für den Endverbraucher nicht so einfach erkennen. Vor allem nicht am Etikett. Und vor allem nicht in der Sportwelt. Hier dreht es sich meist nämlich nur um den Stoff und eben nicht um die Produktion und Co.

Heißt: In der Hose kann zwar stehen, dass es sich bei dem Stoff um recyceltes Polyester oder Polyamid plus Elasthan handelt, aber das sagt lange noch nichts darüber aus, wie oft der Stoff um die Welt geflogen wurde.

Das klingt ganz schön ernüchternd. Ich kann also gar nichts als Käuferin tun, um mir sicher zu sein, dass ich gerade nachhaltig shoppe?

Doch klar, du kannst etwas tun. Suche dir einen Lieblingsladen deines Vertrauens, checke einmal, wie Nachhaltigkeit hier definiert und gelebt wird und setze darauf, dass die Angaben stimmen.

Okay, dann würde ich jetzt gerne dich “auschecken” – schließlich ist dein Shop “beeathletica.com” ja mein Lieblingsladen. Einverstanden?

Klar, nur zu. Ich bin der Meinung, dass Transparenz das A und O ist, wenn es ums Thema Nachhaltigkeit geht.

Na dann mal los: Wenn du ein Label in deinen Shop aufnimmst, achtest du dann darauf, dass es fair ist? Welche sind deine Kriterien?

Auf FAIR achte ich IMMER, wobei fair für mich nicht ausschliesslich eco-friendly bedeutet. Fair meint, dass in dem Unternehmen faire Löhne gezahlt werden, ein respektvoller Umgang miteinander herrscht, die Lieferwege kurz sind und keine Massen produziert werden.

Ich kenne all meine Lieferanten persönlich und lasse mir genau erklären, wie und wo die Teile produziert werden. Selbstverständlich muss auch ich hier vertrauen, aber wenn das nicht gegeben ist, kann man ohnehin einpacken. Es gehört zu den Grundfesten des Lebens.

Welche Marken in deinem Shop würdest du – ohne mit der Wimper zu zucken – empfehlen?

ALLE. Als kleiner Independent-Shop bin ich in der glücklichen Lage, einkaufen zu können, was mir gefällt. Und ich kaufe wirklich nur das, was ich selbst auch tragen oder benutzen möchte. Das macht es auf eine ganz besondere Weise auch sehr einfach.

(Anmerkung von mir: Ich habe bei Bee das Münchner Label “Ambiletics” entdeckt, liebe es sehr und trage auf den Fotos auch ein Set der Marke. Alle Teile werden unter fairsten Bedingungen in Portugal produziert und sind zudem PETA-zertifiziert. Außerdem werden lediglich nachhaltige Materialien, wie recyceltes Polyester UND – was sehr selten ist – recyceltes Elasthan verwendet.)

Photo-Credit: Anna-Lena Ehlers

 

Hast du sonst noch einen Tipp, wie ich mich vor „Fakes“ schützen kann? Also vor Marken, die zwar damit werben, fair zu produzieren, im stillen Kämmerlein aber krumme Dinger drehen.

Wenn Nachhaltigkeit zu günstig ist, kann irgendetwas nicht stimmen. Der ganze Prozess ist wesentlich aufwendiger und mit viel mehr Hürden verbunden, was sich einfach im Preis widerspiegeln muss, wenn zudem faire Löhne gezahlt werden.

Du bist jetzt schon seit 9 Jahren in der Szene unterwegs, wie hast du die Veränderung wahrgenommen?

Ich habe eine ganze Reihe von Veränderungen erlebt. Die wohl größte ist sicherlich, dass es vor neun Jahren diesen unglaublichen Yoga- und Fitness-Boom in Deutschland noch gar nicht gab.

Ich begann also auch damit, klassische Sportbekleidung zu verkaufen, erkannte aber schnell den Trend aus den USA und brachte mit Onzie die ersten krass gemusterten Leggings nach Deutschland.

Das Thema Nachhaltigkeit hat sich erst in den letzten 4-5 Jahren so richtig entwickelt. Plötzlich wurden auch die Stoffhersteller wirklich innovativ und erforschten neue Wege des Recyclings. Damit konnten immer mehr Brands auch nachhaltige Teile anbieten und den Kunden eine größere Auswahl an Fair Fitness Fashion anbieten.

Was meinst du, ist der nächste große Trend?

Ich wünsche mir, dass der nächste Trend “buy less but better” sein wird. Vielleicht ein bisschen mehr auszugeben, aber Teile zu haben, die achtsam hergestellt wurden, zeitlos sind und nicht nach 2 Monaten ersetzt werden müssen, weil sie die Form oder Farbe verloren haben – das ist es, was diesen ganzen Nachhaltigkeits-Trend noch abrunden würde.

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