Bessima

Bessima

14. Juli 2019

No retreat, no meat!

Jiva-was? Jivamukti! Das ist Sanskrit („Yoga-Sprache“) und lässt sich unterteilen in Jiva = individuelle Seele und mukti = Erlösung. Ich bin jetzt also eine Yogalehrerin, die auf Erlösung ihrer Seele während ihres noch jungen Lebens hofft. Schöner gesagt: mein Weg zur Erleuchtung durch Mitgefühl allen Lebewesen gegenüber. Die letzten vier Wochen waren eine sehr intensive Zeit. Denn: Ein 300h Teacher Training ist kein Retreat. Das sage ich nur so deutlich, weil ich in den letzten vier Wochen fast täglich gefragt wurde, wie denn mein Retreat so sei. Ja, ich war jeden Tag mindestens 2x im Meer und die Location ist natürlich ein Traum. ABER so ein Erleuchtungs-Training ist schon ein holpriger Weg, bis man am Ende den Lichtschalter findet. Die zweite Frage, die ich mindestens genau so oft gestellt bekommen habe, ist, warum ich denn noch eine Ausbildung mache – ich sei doch schon Yogalehrerin. Dazu kann ich genau zwei Dinge sagen: 1. zum Glück bin ich schon Yogalehrerin und 2. COSTA RICA.

Ich erinnere mich an meine erste Yogaausbildung (ist ja auch noch nicht wirklich lange her) und das Gefühl von Überforderung. Denn, ja, ich bin vorher zum Yoga gegangen. Manchmal 1x, manchmal 2x die Woche ... aber was wusste ich, wer Patanjali ist oder was ein Agonist und ein Antagonist ist ... Ich konnte keinen Kopfstand, geschweige denn, ihn für 50 Atemzüge halten und fand die Gruppe für meine Bedürfnisse (am Anfang) auch zu groß.

Trotzdem war auch das Training wahnsinnig intensiv (https://www.poweryogagermany.de/teacher-training/information/), ich fand es super und habe sehr viel gelernt – nicht nur über Patanjali (bevor Ihr es extra googelt: ein indischer Gelehrter und Verfasser des Yoga Sutra). Und genau dieses Training hat mich so gut auf das Jivamukti Training vorbereitet. Denn das alles zum ersten Mal zu erleben und dann auch noch auf Englisch ... puh. Ich bin also sehr froh über meine erste Ausbildung für die zweite.

Warum nun Jivamukti? Jivamukti habe ich in Berlin kennengelernt. Ich habe ein Wochenende mit Rima und Moritz verbracht und die beiden haben es geschafft, mein Herz nochmal ganz anders für Yoga zu öffnen und so viele Samen gesät, dass ich mehr wissen, mehr singen, mehr machen wollte ... als nur 50 Atemzüge im Kopfstand zu stehen.

Jetzt, vier Wochen und ein Zertifikat weiter, stellt sich raus, dass ich noch immer keine 50 Atemzüge im Kopfstand stehen kann (hey ... 35 sind auch schon lang), aber ich bin ein wenig weiser. Und ich glaube die nötige Entspanntheit während des ganzen Trainings hatte ich nur, weil ich eben schon eine Ausbildung genossen habe. Äh ... also entspannt trifft es vielleicht nicht ganz ... jedenfalls nicht, wenn es um die ganzen Prüfungen ging. Aber wer weiß, wie schlimm das ohne eine andere Ausbildung und den ersten Lerneffekt gewesen wäre.

Dieses Training war eine wirkliche (weitere) Transformation und ich habe es genossen, mich vier Wochen so intensiv nur mit Yoga und mir selbst zu beschäftigen. Klar, wusste ich einiges durch meine erste Ausbildung schon – aber Ihr wisst ja selbst wie es mit Dingen ist, die man nicht täglich nutzt ... und ob ich schon mal gelernt hatte, wie die Vayus durch meinen Körper strömen, weiß ich nicht mal mehr.

Was auch geholfen hat, war dieser magische Ort hier in Costa Rica. Das Blue Spirit in Nosara (https://bluespiritcostarica.com) liegt an einem herrlichen Pazifikstrand, die Natur ist der Wahnsinn und die Farb- und Tiervielfalt hier ein Traum. Dazu kam, dass das liebevolle Personal so gut für uns gesorgt hat, dass ich mich wirklich nur um meine Ausbildung kümmern musste. Wir wurden rund um die Uhr mit leckerem, veganem Essen versorgt, mein Zimmer war wie von Geisterhand immer sauber und bei Fragen war auch immer jemand da für eine Antwort. Es ist ein wirklich herrlicher Ort für eine spirituelle Transformation; die Leute sind nicht nur herzlich und hilfsbereit 24/7 – das ganze Zentrum ist nachhaltig und super durchdacht und passt somit super zu Jivamukti.

Meine Lehrer vor Ort (fünf und für eine paar Tage kam auch Rima vorbei) waren alle ebenfalls rund um die Uhr für uns da und so voller Wissen, dass es fast (!) nicht gestört hat, stundenlang auf dem Boden zu sitzen und mein Notizbuch vollzuschreiben. Die Tage waren straff getaktet. Ich bin morgens zwischen fünf und halb sechs zum Strand gegangen: Schwimmen und Magic 10 (zehn Yoga Übungen, die Dich fit für den Tag machen – oder aufwärmen für die intensivere Yogapraxis im Anschluss – manchmal aber auch nur die 10 Minuten, die man am Tag für Yoga hat – wenn man gerade kein Training macht) waren ein super Start in den Tag. Danach Frühstück (oder noch Hausaufgaben) und hoch ins Shala für Meditation, Chanten eines Sutras, darüber sprechen und danach weiter mit einer Asana-Praxis. Kurze Pause, zweiter Theorieteil. Mittags oft Mentoren-Treffen oder Kleingruppen. Dann Mittagessen, wenn es passt, nochmal kurz ins Meer. Nachmittags auch wieder Vorlesung oder aber z.B. Assists oder Unterrichten üben. Zum Sonnenuntergang und vor dem Abendessen hab ich es noch immer einmal ins Meer geschafft. Und nach dem Abendessen war es eine Mischung aus Hausaufgaben machen und lernen, bevor es um acht mit dem Satsang weiterging. Der fing mit Singen und einer Meditation an, danach Fragerunden, Kirtan und/oder Filme. Damit meine ich natürlich keine Blockbuster, sondern eher Aufklärungsfilme über Tierhaltung etc. Aber 1x hat uns Doug, auf speziellen Wunsch einer gewissen Schülerin sogar Popcorn besorgt!

Das klingt hart – und so gar nicht nach einem Retreat – und war es teilweise auch. Meine Schulter hat genervt, mein Rücken gezwickt, ich war ein paar Tage mit einer Erkältung beschäftigt und weil ich immer zum Sonnenaufgang im Meer sein wollte, war ich nicht selten müde. Aber so, wie es sich Sharon und David (Gründer von Jivamukti) ausgedacht und zusammen mit anderen Lehrern immer weiter entwickelt haben, macht das Training wirklich Sinn und ist super aufgebaut. Auch nach diesem Training hab ich nicht das Gefühl alles zu wissen ... aber Moritz, Emma und Co. haben viele weitere Samen gesät, die sich jetzt hoffentlich weiter und weiter entfalten.

Die nächste Stufe auf Jivamukti bezogen, wäre das 500h Apprenticeship (Spoiler?). Aber jetzt reise ich erstmal weiter durch die Welt und dann sehen wir weiter.

Dieser Beitrag ist keine Werbung oder ein Vergleich mit anderen Ausbildungen. Ich werde nicht dafür bezahlt, sondern wollte Euch einfach nur meine persönliche Erfahrung schildern, falls Ihr Euch für Jivamukti oder eine andere Yogalehrer-Ausbildung interessiert. Jivamukti basiert auf 5 Säulen: Ahimsa, Bhakti, Nada, Dhyana und Shastra. Kurze Erläuterung im nächsten Absatz. Du musst immer noch nicht googeln. Diese fünf Säulen erklären eigentlich alles, was man über Jivamukti wissen muss, um zu entscheiden, ob es der Weg für einen selbst sein kann. Denn Yoga ist nicht nur die Zeit auf Deiner Matte, der Kopfstand oder die Savasana-Massage am Ende – man lernt, ein mitfühlenderes Leben in Harmonie zu führen – mit sich selbst, aber auch mit allen anderen Lebewesen und dem ganzen Planeten.

Grob erklärt steht Ahimsa für Gewaltlosigkeit und zwar allen Lebewesen gegenüber. Veganismus ist also ein riesen Thema und das wurde uns nicht gerade sanft beigebracht, muss ich sagen (ich sag nur EARTHLINGS). Auch wenn ich nach dieser Zeit keine Veganerin bin (obwohl das Essen vor Ort soooo lecker war, dass ich es wohl als Einzige geschafft habe, trotz intensiver Praxis jeden Tag, zuzunehmen), hat es mich auf einige Punkte aufmerksam gemacht, die ich nun versuche umzusetzen. Aber – und da mag es andere Meinungen geben – ohne Druck. Wie Sharon sagt „do better than your best and let God do the rest“.

Das bringt uns zur zweiten Säule: Bhakti: Hingabe zu Gott. Das zweite große Thema bei Jivamukti. Aber auch hier: was oder wer auch immer Dein Gott ist, bleibt natürlich Deine Entscheidung. Es geht um die Hingabe zum Göttlichen – ohne dass es darauf ankommt, welche Art von Gott es für Dich ist. Es geht einfach darum, dass Du diese Hingabe und auch Demut eben für etwas Höheres als Dein eigenes Ego empfindest.

Die dritte Säule ist Nada – was für Klang steht. Also Musik. Und das war es wohl auch, was mich an meinem Wochenende damals in Berlin so berührt hat: das Chanten. Musik, Klang berührt mich auf einem ganz anderen Level und hilft mir, nach innen zu hören. Ich glaube, es gab während des Trainings niemanden von uns, der nicht mindestens 1x Tränen in den Augen hatte.

Eine weitere Säule ist Shastra und hier kommt Patanjali wieder ins Spiel. Denn Shastra steht für Yoga Schriften und das Studieren eben dieser. Da gibt es neben Patanjali noch die Bhagavad Gita (ein in Versen aufgeschriebenes Zwiegespräch zwischen Krishna und seinem Schüler Arjuna), die Upanishaden (mystische Schriften des Hinduismus) oder die Hatha Yoga Pradipika (der wohl wichtigste Text über Hatha Yoga) – um einige Wörter in den Raum zu werfen. Außerdem gehört auch Sanskrit dazu, was, während der Lecture mit Manorama dazu führte, dass ich mich in die Grundschule versetzt gefühlt habe, weil ich die Sanksrit-Buchstaben wie eine neue Schrift gelernt habe.

Die letzte Säule ist Dhyana: Meditation. Das Innehalten und das Still sein, was ich hier nochmal ganz anders kennengelernt habe. Auch, weil es abends, müde vom langen Tag, oft eine Herausforderung für mich war, während der Meditation nicht einzuschlafen. ;-)

 

All diese Säulen sind nicht nur die Grundlagen von Jivamukti, sondern auch Teil jeder Jivamukti Stunde. Außerdem sind Sharon und David überzeugte Veganer und auch Tierschützer und es mag hart sein, auf diese Missstände hingewiesen zu werden (ich sag nochmal: Earthlings) ... aber beiden ist es ein großes Anliegen, im Unterricht und auch außerhalb des Studios darauf aufmerksam zu machen. Wie Jivamukti-Lehrer das umsetzen und integrieren (in ihren Klassen und ihr eigenes Leben) ist so unterschiedlich wie es Schüler gibt. Und das ist genau richtig so. Mich spricht besonders der spirituelle und zuweilen auch mystische Ansatz an, die ganze Philosophie und natürlich die Musik – also so viel mehr als 50 Atemzüge im Kopfstand.

Wenn Du Fragen zu dieser Ausbildung hast (https://jivamuktiyoga.com/teachertraining/300-hr-certification/), meld Dich jederzeit sehr gern bei mir – WLAN gibt es auch in Mexiko, wo ich jetzt erstmal bin.

Be kind – always.

Bessima

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