Dagmar

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29. Dezember 2019

Die Tradition des Räucherns in den Rauhnächten – ein Selbstversuch

Seit einigen Jahren beschäftige ich mich in meiner Freizeit mit der physischen und psychischen Wirkung ätherischer Öle und habe, wie auch immer das passieren konnte ;) , inzwischen um die 50 Öle gesammelt. Mich faszinieren die hohe Wirkkraft, besonders bei Erkrankungen, und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten, die „Chemie aus der Apotheke“ zu umschiffen und Heilung auf natürliche Weise zu unterstützen. Mehr dazu ein anderes Mal.

Für die letzten Tage in alten Jahr habe ich mir auf den Plan geschrieben, mich mit der reinigenden Wirkung des Räucherns zu beschäftigen. Die meisten von uns kennen Räucherstäbchen oder auch die Weihrauchzeremonie der christlichen Kirche.

Das rituelle Räuchern in den Rauhnächten ist eine jahrhundertealte Tradition, welche dazu dienen sollte, Dämonen und böse Geister zu vertreiben. In der Zeit zwischen Weihnachten und den ersten Januartagen soll die Grenze zwischen unserer und der Ahnen- und Geisterwelt besonders durchlässig sein, sodass der Übertritt besonders leicht sei. Dieser Glauben lässt sich heutzutage noch an diversen christlichen und heidnischen Winterbräuchen wie Umzügen und Austreibungen belegen.

Die Rauhnächte sind eine mystische Zeit zwischen Weihnachten und Dreikönig. Der Zeitraum ergibt sich aus dem Unterschied zwischen Sonnenjahr (365 Tage) und Mondjahr (354 Tage). Zu den Rauhnächten gibt es viele Bräuche und Riten, da die Rauhnächte eine Schwellenzeit sind, vergleichbar mit dem Wechsel von Tag zu Nacht. Mond- und Sonnenkräfte sind jetzt sehr schwach. Diese Zeit des Wandels zwischen Ende und Neubeginn wurde und wird traditionell zum Räuchern genutzt.

Ich wollte in dieser besonderen Zeit die spezielle Kraft der Kräuter und Harze zur traditionellen Reinigung der Räume nutzen. Der Rauch soll dabei negative Energien und Stoffe binden. Nach einigen Lebensveränderungen in 2019 möchte ich all die neuen Chancen und Erlebnisse im neuen Jahr auch auf diese Weise willkommen heißen und habe mich für das Räuchern mit Lavendel, Weihrauch und weißem Salbei entschieden.

Lavendel ist einer meiner absoluten Lieblingsdüfte unter den ätherischen Ölen. Dabei wirkt er besonders beruhigend, ausgleichend und stärkend auf die Psyche. Als Räucherwerk wird besonders wegen seiner desinfizierenden und reinigenden Wirkung eingesetzt. Der weiße Salbei, auch Indianersalbei genannt, verfügt über eine lange Tradition als Räuchermittel. Ihm wird nachgesagt, negative Energien und Krankheiten zu vertreiben, sodass er besonders gern für die Reinigung von Räumen als auch Personen eingesetzt wurde und wird. Dafür werden die getrockneten Kräuter entzündet und die Flamme ausgeblasen. Der durch das Glimmen entstehende Rauch wird großzügig in den Räumen und Zimmerecken verteilt.

Weihrauch ist der wohl bekannteste und beliebteste Räucherstoff seit der Antike. Er war bereits Bestandteil des biblischen Räucherwerks, des altägyptischen Kyphi und der wichtigste Räucherstoff der katholischen Kirche. Zum Räuchern kann er entweder auf einem Stövchen oder wie in meinem Fall, traditionell auf Räucherkohle verbrannt werden. Auch Weihrauch hat eine stark reinigende und desinfizierende Wirkung, weshalb er sowohl in der abendländischen Pflanzenheilkunde, etwa von Hildegard von Bingen oder Sebastian Kneipp, als auch in Indien und arabischen Ländern nach wie vor eingesetzt wird. Inzwischen belegen sogar wissenschaftliche Studien die positiven Eigenschaften von Weihrauchextrakten. Als Abschluss der Reinigung wird gründlich gelüftet, um den Rauch mit allem Negativen nach draußen ziehen zu lassen.

Neben der nachgesagten reinigenden Wirkung empfinde ich das Räuchern vor allem als Balsam für die Seele. Auch wenn ich glücklicherweise nicht mit Winterblues oder ähnlichem zu kämpfen habe, sind kleine Rituale dennoch immer eine schöne Möglichkeit, kurz aus dem Alltag zu flüchten und etwas Besonderes zu tun. Gerade, wenn man den einen oder anderen Duft anschließend in die eigene Yoga- und Meditationspraxis integriert, kann er einen Anker darstellen, welcher es uns schnell ermöglicht, eine kleine Auszeit zu nehmen und uns auf uns selbst zu besinnen.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen tollen Start ins neue Jahr 2020 – auf das es viele tolle Überraschungen für uns bereithält!

P.S. Die Rauhnächte dauern noch bis zum 06. Januar an. Ihr könnt es also auch noch selbst ausprobieren!

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