Isabel

Isabel

26. Oktober 2017

Mit Hingabe und Liebe zum Ziel - Bhakti Yoga

„Bhakti Yoga ist nur was für Leute, deren Glas immer voll ist. Wenn Dein Glas halb leer ist, dann ist das nichts für Dich.“

Das hörte ich in meiner ersten Yogalehrer-Ausbildung von meinem Lehrer Frank Schuler. Yoga der Hingabe (Bhakti) hat mich immer interessiert: Die Menschen, die sich hingeben für Andere oder eine Sache.

Wir Westler werden - zu Recht - hellhörig, wenn es darum geht, sich zu verschenken. Das riecht nach zwielichtigem Guru, der nur ins Bett mit Dir will und Dein Konto leeren, nach Männern, die genau dasselbe wollen, nach ausbeuterischen Arbeitsbedingungen usw. Kurz gesagt: Nach nichts Gutem.

Aber mal ehrlich: Wann waren wir je stolz auf uns? Wenn wir einen Marathon gelaufen sind. Wenn wir den Job trotz unzähliger anderer Bewerber bekommen haben. Wenn der Traumtyp auf einmal doch angerufen hat. Wenn besonders viele Leute in den Yoga- oder Fitness-Kurs gekommen sind - und es toll fanden.

Isa-Bhakti

Und warum haben wir das geschafft? Weil wir mit Hingabe dabei waren. Wir haben hingebungsvoll auch bei Schnee und Regen trainiert, haben hingebungsvoll den Worten des Traumtypen gelauscht oder uns einfach im Job den A… aufgerissen, um es mal deutlich zu sagen. Feiner formuliert: Unsere Augen haben geglänzt, wir haben gestrahlt, wie anstrengend es auch gewesen sein mag. Das ist Hingabe, das ist Bhakti. Scheinbar schenken wir was weg. Aber wir kriegen mehr zurück. Lass es Geld sein, besser noch Anerkennung und Liebe, denn danach sehnt sich wirklich jeder Mensch.

Aber was tun, wenn das Glas halb leer ist? Immer wieder? Warum wissen wir manchmal, dass jetzt nix zu verschenken ist - und machen es trotzdem? Und landen in Erschöpfung und Enttäuschung, vielleicht sogar Wut auf die Anderen, weil die immer dauernd was von uns wollen?

Ich kenne dieses Gefühl, es ist nicht schön. Eine wirklich Antwort habe ich auch nicht, außer, dass wir einfach so programmiert sind, abzuliefern. Und das abzustellen ist eine echte Herausforderung. Dass wir die Balance finden, wenn das Glas voll ist, richtig loszulegen. Und wenn dem nicht so ist, erst einmal für uns zu sorgen. Im Letzten Blogbeitrag hatte ich über unsere drei Gehirne geschrieben - und an den ältesten Teil unseres Gehirns, das limbische System, kommen wir nur schwer ran. Dort sitzen aber diese Stimmchen, die flüstern: „Der Rückruf ist jetzt wichtiger als zehn Minuten Pause.“ Aber es geht. Und Ayurveda hat mir dabei geholfen, ein paar uralte Muster auszutricksen.

Als ich vor der Ayurveda-Koryphäe Dr. Ernst Schrott in Regensburg saß, fühlte der erstmal meinen Puls. Die erste Frage zielte auf meine früheste Kindheit und traf ins Schwarze. ich schluckte und die Tränen stiegen hoch. Wie konnte er das aus zwei Minuten Handgelenk fühlen herauslesen?

Noch ein paar Minuten Gespräch und die Sachlage war erstmal klar: Der Körper erschöpft von Jahren des Raubbaus (die gab es) und Stress. Die Seele verletzt von einschneidenden Verlusten, die so genannten Doshas (unsere Konstitutionsanteile) aus dem Tritt. Dabei habe ich Glück: Als Pitta-Kapha-Typ verfüge ich über eine robuste Natur, einen starken Willen und gutes Durchsetzungsvermögen. Aber unsere größte Stärke ist ja auch immer unsere größte Schwäche - deshalb beutet sich der Pitta-Kapha-Typ gerne aus, denn er hält lange durch. „Sie tanken jetzt einerseits erstmal so richtig auf, andererseits müssen wir Ihr System entgiften“, so die Ansage des Arztes.

Seitdem begleiten mich ayurvedische Kräuter, ein halber Liter heißes Wasser, eine Umstellung der Essenszeiten und des Schlafrhythmus. Klappt mal besser, mal schlechter, aber ich erziehe mich quasi um. Damit das Glas wieder voll wird und voll bleibt. Meditation und wundervolle Bücher haben mir geholfen, manches Denkmuster auszuschalten oder zumindest stumm zu schalten. Denn sei ehrlich: Wenn Du liest, Du musst erstmal Kraft tanken, um für andere Kraft zu haben, nickst Du - um zehn Minuten später den Löffel fallen zu lassen, weil eines Deiner Kinder was braucht? Oder die wichtige Mail jetzt endlich da ist? Egal, wir dringend Du jetzt in Ruhe essen müsstest? Eben. Aber damit muss Schluss sein. Deshalb heißt es bis Ende des Jahres für mich; Radial Selfcare. Trotz voller Arbeitswochen. Gerade deshalb.

Selfcare

Könntest Du nicht auch ein bisschen mehr für Dich tun? Hier findest Du ein paar Tipps, gerade zur kalten Jahreszeit:

Morgens nach dem Aufstehen ein Glas lauwarmes Wasser mit dem Saft einer halben Zitrone und einem Teelöffel Honig trinken.

Danach einen Vata-Tee (hilft gegen Stress und wärmt).

In einem offenen Topf einen halben Liter Wasser zehn Minuten lang sprudelnd kochen. In eine Thermoskanne abfüllen und bis Mittag schluckweise trinken.

Für den Nachmittag einen halben Liter heißes Ingwerwasser zubereiten.

Drei Mal am Tag essen. Keine Zwischenmahlzeiten. Nichts. Nada. Niente. Morgens, mittags, abends, fertig. Größte Mahlzeit am Mittag. Abends nicht nach 19 Uhr, am besten leicht (vegetarisch oder vegan).

Vor 22 Uhr ins Bett, zwischen 22. und 22.30 Uhr schlafen. Der Schlaf vor Mitternacht ist der kostbarste.

Bei kalten Händen und Füßen: Jeden Morgen entweder 12 Runden Sonnengruß oder 30 Minuten leichtes Joggen. Außerdem regelmäßig in die Sauna.

Jeden Tag fünf, besser zehn Minuten hinsetzen und nichts tun. Noch besser: Meditieren.

Bücher, die mich in letzter Zeit inspiriert und unterstützt haben:

Gabrielle Bernstein: Das Universum steht hinter Dir.

Unbedingt lesen! Unterstützt Dich darin, Vertrauen in Dich und Deinen Weg aufzubauen - oder den Mut, Dinge zu ändern.

Dr. Ernst Schrott: Ayurveda. Das Geheimnis Ihres Typs.

Viel Spaß - und einen schönen erholsamen Start in die kalte Jahreszeit.

Deine Isa

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