Sarah

Sarah

14. März 2018

Als Yogalehrerin ist man immer auch Schülerin...

Heute habe ich seit langem mal wieder einen Yogakurs besucht. Das mag vielleicht merkwürdig klingen, weil ich Yogalehrerin bin und zahlreiche Yogakurse jede Woche gebe. Doch der Schwerpunkt hier liegt auf dem Wort GEBEN. Wenn ich Yoga unterrichte, versuche ich möglichst viel zu geben. Manchmal in Form von Energie, manchmal in Form von Ruhe, Worten oder einfach nur Mitgefühl. 

Ich muss dabei gerade sehr an meine Ausbildung im Ashram in Bad Meinberg denken. Ich habe eine Probestunde gehalten und meine Lehrerin saß neben mir und beobachtete mich während der gesamten 90 Minuten. Nirmala ist ihr Name. Am Ende der Stunde war sie sehr zufrieden mit mir. Was mich strahlen lies. Am Ende der Besprechung jedoch fragte sie mich: "Ananda, was hast du während der Stillephase in Shavasana gemacht?" 

Ich antwortete: „Meine Augen geschlossen und meine Stille gesucht.“ Daraufhin hatte sie mir gesagt, dass ich unterrichte und gebe. In der Stille während Shavasana, der Endentspannung, versuche Sie jedem einzelnen in der Gruppe Kraft und Ruhe zu geben.

Seit diesem Zeitpunkt scanne ich förmlich jeden Einzelnen meiner Teilnehmer während der Stillephase und versuche ebenfalls Kraft und Ruhe zu geben. 

Der Punkt ist das Geben.

Heute war es also so weit, dass ich endlich mal wieder die Muße und die Ruhe hatte für mich zum Yoga zu gehen. Ich gehe am liebsten in die Praxis, in der ich schon als Kind war. Die Energie und die Kraft in diesem Raum ist für mich einfach unglaublich. Es ist wie ein nach Hause kommen. 

Die Stunde war wundervoll. Ich lege mich paradoxerweise immer noch ganz hinten rechts in die Ecke und versuche möglichst mit Wenigen zu kommunizieren. Das klingt vielleicht hart, aber mein Beruf besteht zu einem großen Teil aus Kommunikation und Interaktion und ich genieße dann das Schweigen. Jedenfalls war auch am Ende dieser Stunde Shavasana dran. Meine Yogalehrerin leitete sanft in die Stillephase...und gerade als der Moment der Stille den Raum einhüllte, begann meine Nachbarin tief und fest zu schnarchen. 

Zuerst musste ich etwas schmunzeln, versuchte dann jedoch das Außen im Außen zu lassen und meine Sinne zurückzuziehen. Pratyahara, das Zurückziehen der Sinne. Yogas vritti nirodaha, das zur Ruhe bringen der Gedanken. 

Aber es gelang mir nicht, es war ein konstantes Schnarchen neben mir. Auch ich begann mich zu ärgern, nicht über die liebe Teilnehmerin die gemütlich schlummerte sondern über mich. Da hatte ich endlich die Zeit gefunden zu einer angeleiteten Yogapraxis und konnte meinen Geist nicht richtig abschalten.

Doch so ist es manchmal. Die Stunde war trotzdem wundervoll und ich schwebte. 

Es ging sogar noch weiter, ich setzte mich in die U-Bahn und schrieb diesen Text. 

Last but not least, Yoga führt dich dazu deine Fähigkeiten zu entfalten.

Wehre nicht ab, sonder nehme an. 

Und ich bin nicht nur Lehrerin, sondern auch Schülerin. Niemand ist vollkommen und Vollkommenheit ist nicht wonach ich strebe. 

Namasté
Sarah Ananda

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